INTERNATIONALE GEGENWARTSKUNST
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Adresse  /Address
Galerie an der Pinakothek der Moderne
Gabelsbergerstraße 7
80333 München
/Germany
Telefon  +49-89-288 077 43
Fax  +49-89-273 740 43

www.galerie-ruetz.de
Anfahrtsskizze  /Roadmap
     
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Wegbeschreibung  /Directions
Vom Hauptbahnhof:
Fahren Sie auf der Luisenstraße Richtung Norden und verlassen Sie diese rechts in die Gabelsbergerstraße. Folgen Sie dem Straßenverlauf für ca. 400 m.
Die Galerie befindet sich auf der rechten Seite.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
U-/S-Bahn bis Karlsplatz (Stachus), umsteigen in Tram 27 Richtung Petuelring. Steigen Sie an der Haltestelle Karolinenplatz aus und folgen Sie der Barer Straße in fahrtrichtung. Biegen Sie nach etwa 200 m rechts in die Gabelsbergerstraße ein und folgen dieser bis zur nächsten Kreuzung.
Die Galerie befindet sich auf der rechten Seite.
  /From the main station:
Head towards Luisenstrasse direction the north. Leave and turn right into Gabelsbergerstrasse. Head straightforward for approx. 400 m.
The gallery is on the right.

With public transportation:
Take a U-/S-Bahn (Metro/Subway) to Karlsplatz (Stachus), transfer to Tram 27 direction Petuelring. Get off at Karolinenplatz and walk on in the direction of travelling. After 200 m turn right into Gabelsbergerstrasse.
The gallery is on the right.

 

Weitsicht  /Farsightedness
Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 12. Juli 2013  /Article in the newspaper »Süddeutsche Zeitung« 12. July 2013

München – Mutig war es vielleicht. In jedem Fall aber sehr weitsichtig. Als Barbara Ruetz 2003 die neuen Räume ihrer Galerie in der Gabelsbergerstraße bezog, begann die Maxvorstadt gerade erst, sich im Bereich zeitgenössischer Kunst einen Namen zu machen. Die Pinakothek der Moderne hatte zwar im Jahr zuvor eröffnet, doch der zweite Bauabschnitt lag erstmal auf Eis – zugunsten des Museums Brandhorst, bis zu dessen Eröffnung noch weitere sechs Jahre vergehen sollten. Wenn man – was selten genug geschah – vom „Pinakothekenviertel“ sprach, dachte man da noch vorwiegend an Alte und Neue Pinakothek. Und der Begriff „Kunstareal“ war noch nicht einmal den Köpfen von PR-Spezialisten entsprungen. Die Galerien waren entweder auf der Maximilianstraße zu Hause oder inzwischen ins Lehel und Gärtnerplatzviertel umgezogen.
„Ich weiß noch, wie ich zu der Zeit von so manchem Kollegen belächelt wurde“, erinnert sich die Galeristin. „Aber ich war stolz, dass ich mir diesen Platz – damals war hier ja noch ein Matratzengeschäft – erkämpft hatte.“ Als bald darauf direkt neben ihrer Galerie ein weiteres Ladengeschäft frei wurde, hätte Barbara Ruetz es gerne gesehen, wenn ein anderer Galerist hinzugekommen wäre. Aber sie stieß auf kein Interesse. „Viele glaubten, hier gäbe es keine Laufkundschaft und konnten nicht verstehen, wie ich das Gärtnerplatzviertel gegen diese Lage eintauschen konnte.“ Schließlich mietete sie die Räume selbst – „nach langem Hin- und Herrechnen und mit ganz viel Bauchgrimmen“. Nach einem weitern Umbau hatte die „Galerie an der Pinakothek der Moderne“ ihre heutige Struktur mit zwei separaten Bereichen für Malerei und Skulptur.
Zehn Jahre später hat sich die Skepsis der Galeristen in Luft aufgelöst. Die Maxvorstadt hat mit der Pinakothek der Moderne und dem Museum Brandhorst ein gewichtiges Pfund, mit dem sie in Sachen zeitgenössischer Kunst wuchern kann. Und in den vergangenen Jahren haben immer mehr Galeristen die Nähe zu den Pinakotheken gesucht – eben wegen der Laufkundschaft. Doch damals war das anders, erzählt Ruetz: „Da gab es noch Dany Keller gleich ums Eck in der Türkenstraße. Das war’s.“ Dany Keller war eine Galeristin, ach was, eine Galeristen-Institution, die immer ein gutes Gespür dafür gehabt hatte, welche Ecke Münchens angesagt war für Galerien und früh von der Maximilianstraße ins Gärtnerplatzviertel und dann eben in die Maxvorstadt umgezogen war, bevor sie ihre Zelte in München abbrach. – Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Jedes Jahr gibt die Galeristin ein bis zwei jungen Künstlern eine Chance

Zurück also zu Barbara Ruetz. Mit 18 Jahren verließ sie Rottal in Niederbayern, wo sie geboren war. „Niederbayern war mir zu eng. Ich wollte unbedingt nach München“, erzählt sie. An der TU bekam sie eine Stelle bei der Studentenvertretung, die neu geschaffen worden war. Dies erlaubte es ihr, neben der Arbeit aufs Abendgymnasium zu gehen und das Abitur nachzumachen. Es folgte ein Architekturstudium an der TU, währenddessen sie über ihren Schwager Gottfried Ruetz, einem Spezialisten für japanische Farbholzschnitte, die Kunsthandelswelt kennenlernte, erste Messe- und Ausstellungserfahrungen sammelte. „Dann habe ich meine Liebe zur zeitgenössischen Kunst entdeckt.“
1993 übernahm Barbara Ruetz die Räume eines Kunsthändlers im Glockenbachviertel. „Aber der Kunsthandel war nicht meins.“ Sie machte daraus ihre erste Galerie, die sie mit Werken eines russischen Malers eröffnete. Fünf Jahre später erfolgte der Umzug in größere Räume an der Frauenstraße am Viktualienmarkt. Von da an zeigte Ruetz auch bildhauerische Arbeiten, wenngleich auch nur gelegentlich.
Mittlerweile hat sich die Skulptur neben der Malerei im Ausstellungskonzept etabliert. „Präsentiert werden die Arbeiten aber nicht gemischt“, wie Barbara Ruetz betont, „sondern es sind immer zwei Einzelausstellungen, damit auch die Skulptur den ihr zustehenden Raum erhält.“ Für dieses Konzept hat sich die Raumsituation bewährt. In den ursprünglichen zwei Räumen zur Türkenstraße hin wird die Malerei gezeigt, in dem später dazugekommenen Bereich, von dem aus man direkt auf Pinakothek der Moderne blickt, hat die Skulptur ihren Platz gefunden.
Für die Jubiläumsausstellung hat Barbara Ruetz zweimal zehn Künstler ausgewählt. Sie sollen die Bandbreite der vorwiegend gegenständlichen Kunst, die die Galerie vertritt, repräsentieren. Nur wer dieses oder kommendes Jahr eine Einzelausstellung bei ihr hat, wird nicht in der Jubiläumsschau vertreten sein. Letztlich wurde es auf den 240 Quadratmetern dann doch ganz schön eng. Rund 30 Künstler gehören zum Stamm der Galerie. Sie kommen überwiegend aus Deutschland oder Europa, aber auch einen kleinen Schwerpunkt mit asiatischen Künstlern – vor allem aus Korea und Japan – hat Ruetz im Laufe der Jahre aufgebaut. Zuletzt sind viele jüngere Künstler dazugekommen, „Künstler, die zum Teil in ihren Heimatländern schon etabliert, aber in Deutschland noch weitgehend unbekannt sind“, erklärt Ruetz. Überhaupt zeigt sich die Galeristin sehr offen für Entdeckungen.
Jedes Jahr gibt sie ein bis zwei jungen Künstlern eine Chance. „Wir erhalten rund 700 Bewerbungen pro Jahr für eine Ausstellung, über die eine sechsköpfige Jury entscheidet“, erzählt Ruetz. Die Galeristin holt sich dazu mehrere Kunsthistoriker, einen Künstler und einen Sammler. Warum mehr Maler als Bildhauer eine Chance erhalten, bei ihr auszustellen, erklärt sie sehr einfach: „Gute Skulpturen sind schwerer zu finden als gute Malerei.“
Als einzige Galeristin Münchens hat Barbara Ruetz auch am Sonntag geöffnet. „Zwar ohne Beratung, denn es ist nur eine studentische Hilfskraft hier, die die Aufsicht führt, aber die Leute, die im Viertel bummeln, können wenigstens in Ruhe schauen.“ Das mit der Sonntagsöffnung hat sich bei Barbara Ruetz so gut bewährt, dass sie die Kollegen im Viertel überzeugen möchte mitzumachen. Die zögern aber noch. Barbara Ruetz ist mit ihrer Galerie an der Pinakothek der Moderne vielleicht auch hierbei einfach besonders weitsichtig.

Text von Evelyn Vogel  /Text by Evelyn Vogel


 

Vom Sehen und Finden der Kunst  /Searching and finding art
Artikel aus dem Magazin »Mundus« 07/2007  /Excerpt of the magazine »Mundus« 07/2007

»Zweifelsfrei - sie kultiviert das Unkonventionelle. Barbara Ruetz ist Galeristin, Geschäftsfrau und Leiterin zweier Unternehmen in einer Person. Offen für talentierte Newcomer, mit klarem Fokus, energisch. Wenn sie modernde Kunst aus Korea ausstellt, lädt sie zur Preview zum gesetzten Essen mit koreanischen Gerichten. Sie hat Architektur und Betriebswirtschaft studiert. Einen Meistertitel als Bildeinrahmerin erlangt. Auch hier Stringenz. Sie weiss wovon sie spricht. Ihre Liebe gilt der Skulptur.

Kunstmessenbesuche in London, Basel, New York gehören zum gängigen Procedere in der Galeristenbranche. Barbara Ruetz setzt ihm großes Interesse für ganz kleine, auch unbekannte Ausstellungsplattformen entgegen. In Konsequenz baut sie für ihren weltweiten Galerie-Erfolg bewusst nicht auf die etablierten Größen der zeitgenössischen Kunst. Mit sicherem Gespür für das Noch-Nicht-Gesehene, ästhetisch Überzeugende forscht sie nach Künstlern, die auf dem besten Weg sind berühmt zu werden. Durchaus in ihrer Heimat von Immanenz. In Deutschland allerdings unentdeckt. Wie die Koreanerin Kim Mi Kyoung.

Das Portfolio der Galerie ist voll von inzwischen klingenden Namen aus Italien, England, Spanien. Antonio und Marco Tamburro, Andrea Rossi, Carlos Mata. Deutschland ist unter anderem vertreten mit Carsten Weitzmanns Pop-Art-Überblendungen, Kaltnadelradierungen von Erika Hegewisch oder Klaus H. Hartmanns schlanken, organisch rankenden Stahlstehlen. Barbara Ruetz vertritt viele ihrer Künstler über einen langen Zeitraum hinweg. So auch die Malerin Susanne Zuehlke, mit deren abstrakten Landschaften ein Teil der nächsten Ausstellung bestritten wird. Der andere mit den „kavexen“ Stahlskulpturen von Herbert Mehler.

In diesem Jahr hatte die Galeristin bereits auf der art Karlsruhe mit Zuehlkes lebendigem Bildgefüge, verquickt mit den unmittelbaren Tier-Mensch-Holzskulpturen von Christian Rösner, Eindruck gemacht. Nicht zuletzt, weil sie ihrem Galerie-Konzept treu geblieben ist: Der Präsentation von Skulptur und Malerei. Stets in strikt getrennten Ereignisräumen. Verstanden als Kontrapunkt, Ergänzung, gegenseitige Intensivierung.

In ihren Anfängen, vor gut 15 Jahren, war es Barbara Ruetz weder mit den räumlichen Gegebenheiten der ersten Galerie im Glockenbachviertel noch mit der zweiten am Viktualienmarkt möglich, dem Faible für Haptisches, Raumgreifendes angemessen Platz zu verschaffen. Erst vor vier Jahren, mit den neuen Räumen in der Gabelsbergerstrasse 7 - aufwendig umgebaut und konzipiert -, konnte sie endlich einen Skulpturenraum wunschgemäß realisieren. Jenen Ort, an dem die Kunstwerke eigene Kraft entwickeln. Holz, Stein, Bronze, Glas oder Stahl. Auf klaren Böden. Großzügiger Fläche. Schnörkellos und unverstellt.

Immer wieder reist die faszinierende Galeristin vor Ort. Bestaunt wie Peter Heesch in seinem Atelier die Klarheit des Steins herausstellt. Fragt nach, wie sie entstehen, die Bleistiftgebilde von Kerstin Schulz. Beobachtet, wie Rösner mit der Kettensäge dem Holz zu Leibe rückt. Und - lässt sich entführen in ferne Welten. Sogar bis an den Süd- und Nordpol. Über die Kunst, jedenfalls: Wenn der Expeditionsmaler Gerhard Riesbeck über seine Arktisreisen berichtet, dann stellt sich Barbara Ruetz vor, mit wem sie die stimmungsgewaltigen Ölgemälde, die von der Schönheit des Eises in der ungeheuerlichen Ödnis schwärmen, kombinieren könnte …«

›... Mit einem mutigen Programm fernab von Mainstream der Kunstbranche setzt Barbara Ruetz mit ihrer „Galerie an der Pinakothek der Moderne“ spannende Akzente. Ein Augenschmaus. Besonders für Freunde der zeitgenössischen Skulptur.‹



Text von Dr. Melanie Klier  /Text by Dr. Melanie Klier